Auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz im Dortmunder Hauptbahnhof traf Selahattin Yildirim auf Yalcin Düzgün, den ehemaligen Geschäftsführer des Dönerspießherstellers Düzgün GmbH aus Lünen. Dieser habe ihn sofort unter Todesdrohungen und Beleidigungen angegriffen, so Yildirim. Allerdings sei der Angriff offenbar zu früh erfolgt, da er ausnahmsweise einen anderen Eingang als sonst zum Bahnhof genommen hatte. So konnten sich die vor dem Bahnhof in zwei Fahrzeugen wartenden fünf Komplizen von Yalcin Düzgün nicht an dem Überfall beteiligen.
Düzgün ergriff nach dem Übergriff, bei dem Yildirim Verletzungen davontrug, die Flucht mit einem Mercedes mit französischem Kennzeichen. Die Polizei hat eine bundesweite Fahndung ausgelöst.
Der Überfall war professionell vorbereitet worden. So hatten Unbekannte in den letzten Tagen den Arbeitsplatz von Yildirim, einen Kiosk am Dortmunder Hauptbahnhof, observiert und sich in Nachbargeschäften nach ihm erkundigt. Wie der Sicherheitsdienst des Bahnhofs mitteilte, waren die Überwachungskameras rund um den Kiosk zum Tatzeitpunkt zugeklebt worden.
Dazu erklärt DIE LINKE. NRW:
Hintergrund des Überfalls ist in unseren Augen die gewerkschaftliche Organisationsarbeit von Selahattin Yildirim im Bereich der Dönerproduzenten, die bundesweit etwa 10000 Menschen beschäftigen. Diese führte bei Düzgün Döner im August 2007 zur Wahl des 1. Betriebsrates in der Dönerbranche. Die Geschäftsführungen versuchen in der Branche, die Gründung von Betriebsräten mit allen Mitteln – wie Namensänderungen und Firmenneugründungen, dem Einsatz von Subunternehmen und Leiharbeit – zu verhindern. Dass manche Dönerproduzenten offenbar auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, zeigte sich bereits vor zwei Jahren, als Mehmet Ali Turan, der Betriebsratsvorsitzende der damals von Yalcin Düzgün in Lünen geführten Firma Düzgün Döner GmbH, von Vermummten vor seinem Haus in Dortmund krankenhausreif geschlagen wurde.
Wir bekunden Selahattin Yildirim unsere volle Solidarität und erwarten, dass diesen Mafiamethoden von Seiten der ermittelnden Staatsanwaltschaft mit allen ihr zur Verfügung stehen Mitteln Einhalt geboten wird. Gleichzeitig fordern wir den Ausbau der Mitbestimmung der Beschäftigten, die Verankerung der Mitbestimmung bei wirtschaftlichen Entscheidungen auch in kleineren Betrieben im Betriebsverfassungsgesetz sowie die Verbesserung der Rechte von Gewerkschaften und Betriebsräten z.B. durch die Abschaffung des Antistreikparagraphen.